3D Druck von Beatmungsgeräten: Was spricht dafür und was dagegen?

Auch in diesen Tagen sehen wir uns alle weiter mit der Herausforderung konfrontiert. Der Kampf gegen das Corona-Virus bestimmt alle Bereiche unseres öffentlichen und privaten Lebens, was auch für die industrielle Produktion tiefgreifende Veränderungen zur Folge hat. Globale Lieferketten sind durch Grenzschließungen unterbrochen, zahlreiche Konsumgüter weniger gefragt als in normalen Zeiten. Zugleich sind Medizin-Produkte, sofern sie zur Bekämpfung der Folgen der Pandemie benötigt werden, gefragter denn je. Dies gilt insbesondere für Beatmungsgeräte.

Die additive Fertigung von Beatmungsgeräten

Was liegt also näher als Beatmungsgeräte mittels 3D Druck zu fertigen? Zumal mit dieser Technologie ein ebenso schnelles wie prinzipiell kostengünstiges Produktionsverfahren zur Verfügung steht.

Hierbei gilt es allerdings, neben den Vorteilen auch mögliche Nachteile einer schnellen, additiven Fertigung von Beatmungsgeräten zu beachten.

Pro

Als additives Fertigungsverfahren steht der 3D Druck nicht nur für schnelle und wirtschaftlich vertretbare Produktionstechnologie kleiner Stückzahlen, sondern ebenso für ein werkzeugloses Verfahren. Dies bedeutet, dass Unternehmen, die ihre Produktion von einem Tag auf den anderen auf die Fertigung von Beatmungsgeräten umstellen möchten, hierfür keine zusätzlichen Werkzeuge benötigen. Dies schlägt erst recht in denjenigen Fällen zu Buche, in denen bereits Erfahrung mit dem Einsatz von 3D Druck besteht.

Zugleich unterscheidet sich die additive Fertigung von Beatmungsgeräten beziehungsweise deren Bauteilen technisch nicht so grundlegend von derjenigen, beispielsweise von Auto-Ersatzteilen, so dass einer schnellen Umstellung der Produktion im Prinzip wenig entgegensteht.

Der wichtigste Vorteil des 3D Drucks von Beatmungsgeräten liegt freilich in der Schnelligkeit dieses Verfahrens. Schließlich geht es in einer Corona-bedingten, akuten Krisensituation vor allem darum, möglichst viele Beatmungsgeräte möglichst schnell zur Verfügung zu haben, um eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Contra

Allerdings bringt genau diese schnelle Produktion sensibler medizinischer Geräte auch einige Nachteile mit sich.

So zeigt sich immer wieder, dass Beatmungsgeräte, welche für eine schnelle Produktion am 3D Drucker entworfen wurden, keinesfalls mit einer komplexen Hightech-Maschine mithalten können. Solche Geräte können lediglich als Überbrückung dienen, was bedeutet: Wenn ein zu beatmender, in diesem Fall Covid-19-Patient sich nach ein paar Tagen ein wenig erholt hat, so kann er, falls nötig, an eine solche, einfachere Beatmungsmaschine angeschlossen werden, um das hochwertigere Hightech-Beatmungsgerät einem anderen Patienten zur Verfügung zu stellen.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Tatsache, dass die Fertigung von Beatmungsgeräten ein sehr schnelles Verständnis der besonderen Anforderungen sowie der Sicherheits- und Qualitätsstandards der Medizintechnik erfordert.

„Eine große Herausforderung ist das schnelle Verständnis der besonderen Anforderungen der Medizintechnik”

Erläutert dazu Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik beim deutschen Medizinverband Spectaris, der sich jedoch zugleich zuversichtlich zeigt:

„Diese Kenntnisse können klassische Medizintechnik-Unternehmen grundsätzlich gut vermitteln. Daher empfehlen wir dringend, die Hilfsangebote eng mit der breit aufgestellten deutschen Medizintechnik-Industrie abzustimmen.“

Dabei kommt allerdings der Umstand hinzu, dass medizinische Geräte vor ihrem Einsatz ein aufwendiges und für die Entwickler mitunter kostspieliges Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Neben der technischen Funktionsweise müssen dabei auch die hygienischen Standards nachgewiesen werden. Schließlich hängen vom Einsatz eines solchen Geräts unmittelbar Menschenleben ab.

Alle diese Faktoren sollten Sie mitberücksichtigen, falls Sie daran denken, Beatmungsgeräte im 3D Druckverfahren zu fertigen.

 

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